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Teilhabe am Leben, es nicht einfach nur überstehen müssen. Das war das Ziel…

… „Eine Freundin von mir engagiert sich auf der gleichen Station. Wir reden dann auf der Bahnfahrt nach Hause darüber. Das hilft … Es gibt bessere und schlechtere Tage, das habe ich schnell herausgefunden. An den schlechteren wissen sie nicht mehr wie alt oder wo sie überhaupt sind …, (aber) über die Vergangenheit, ihren Sport, die Reisen, darüber reden sie immer gerne, da gehen sie regelrecht auf.“ Hannah Kirchberg ist zwanzig Jahre alt, studiert in Düsseldorf Psychologie im fünften Semester und die Frage, wo das einmal hinführt beantwortet sie lächelnd und mit einem kurzen Zögern: „… vielleicht in die Forschung? Mal sehen …“ Zukunftsmusik. Aber Musik! Ehrenamtliches Handeln und Helfen bedeutet oftmals (nicht immer) mit der Schattenseite, zumindest aber mit nicht ganz so hell ausgeleuchteten Ecken menschlichen Daseins konfrontiert zu werden.

Irgendjemand benötigt irgendeine kleinere oder größere Hilfe, weil bisher selbstverständliche Aspekte des Alltags nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich sind. Irgendjemandem hat das Leben so mitgespielt, dass er dringend Beistand benötigt.
Als emotioneller Ballast werden die dann verschenkte Zuwendung und Zeit wunderbarerweise aber nicht empfunden. Sie erscheinen eher als Bereicherung des eigenen Lebenswegs. Dass ein solches Empfinden und Bewusstsein nicht vornehmes Vorrecht weisen und erfahrenden Alters ist, muss an dieser Stelle einmal ganz besonders hervorgehoben werden.

Hannah Kirchberg arbeitet seit etwa einem Jahr in der gerontopsychiatrischen Abteilung des LVR-Klinikums Düsseldorf. „Ich habe mich damals direkt an Frau Neuenhofen gewendet. Es bleibt immer noch ein wenig Zeit neben dem Studium und in der Gerontopsychiatrie herrscht immer ein gewisser Mangel an helfenden Händen. Das passte also gut“, erzählt sie. Wenn sie donnerstags für zwei Stunden kommt, wird abgeklärt, wer an diesem Tag besonderer Betreuung bedarf. Bei gutem Wetter und wenn es die Umstände erlauben geht man spazieren, in ein Café, ein Eis essen, um ein wenig Freizeit zu genießen. Oder man spielt zusammen Mensch-ärgere-Dich-nicht. Und wenn das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht, plaudert man und unterhält sich miteinander. „Man sollte Geduld mitbringen“, erklärt Hannah Kirchberg. „Manchmal fehlt es für einen Moment an Konzentration oder Wille. Aber irgendwann ist das überwunden und dann wird immer wieder gerne erzählt. Und dann kann man eine ganze Menge sehr interessanter Dinge erfahren.“

Die Möglichkeiten der ehrenamtlich Tätigen am LVR sind erstaunlich flexibel. Und Spontaneität und Fantasie helfen immer: Beschäftigung in eigens dafür vorhandenen Räumlichkeiten, Kuchenbacken in der Küche, etwas vorlesen, oder aber der Besuch einer Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Kultur in der Klinik“ (Corona bedingt derzeit etwas eingeschränkt). „Es findet sich eigentlich immer jemand mit dem man etwas unternehmen kann.“ Teilhabe am Leben, es nicht einfach nur überstehen müssen. Das war das Ziel …

Text:Thomas Christen

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