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Ball der gemeinsamen Herzen – Teil 1

Es ist ein gleichermaßen ambitioniertes wie spannendes Projekt, das der Arbeiter-Samariter-Bund Düsseldorf (ASB) in Zusammenarbeit mit der Theaterpädagogin Nadine Frensch über einen Projektzeitraum von sechs Monaten anbietet. Menschen mit und ohne Demenz erhalten die Gelegenheit in einem gemeinsam erarbeiteten Theaterprojekt zusammenzuarbeiten, zueinanderzufinden, Hemmschwellen abzubauen und – nicht zuletzt – eine Menge Spaß und Freude zu erfahren.

Demenz. Ein Wort mit den Echos Angst, Verzweiflung, Panik und Rückzug auf der einen und Hilflosigkeit und Distanz auf der anderen Seite. Wie passt das Wort Theaterspiel in eine solch verstörende und belastende Gemengelage aus Gefühlen? Geht mit einer Demenz nicht der unwiderrufliche Verlust von Erinnerungen einher? Hat das Spiel auf einer Bühne nicht mit dem mühsamen Auswendiglernen langer Textpassagen zu tun? Es sei vorweggenommen: wenn man es so macht, wie die Initiatorinnen des Projektes es geplant haben, passt es ganz wunderbar zusammen. Denn es geht nicht um traditionelles Text- und Sprechtheater. Es geht um die spielerische Erarbeitung und Darstellung (noch) erinnerter Lebenssymbole und biographischer Wegmarken, im schönsten Fall unterstützt von Musik, Liedern, Kostümen oder kleinen Accessoires. Es geht um das unmittelbar, fantasievolle Zurückholen von Erinnerungen und positiv belegten Lebensmomenten, also eher vergleichbar mit kurzen, spielerischen Scharaden. Und es geht nicht zuletzt darum, dass alle Beteiligten, ob krankheitsbedingt eingeschränkt oder nicht, für einen Augenblick Teil eines selbst geschaffenen künstlerischen Moments sind.

Am Anfang des Projektzeitraums steht das Kennenlernen, das Sich-näher-Kommen und der Aufbau einer gewissen Vertrautheit durch Gespräche, Spiele und Gedankenaustausch. Unter der Anleitung von Nadine Frensch und der hauptamtlichen Mitarbeiterin des ASB, Beate Loskamp, werden bei den einmal in der Woche stattfindenden Treffen gemeinsam Ideen zur Umsetzung und Ausgestaltung erarbeitet. Und wer von den Teilnehmern und Interessierten seine Aufgabe nicht auf der Bühne sieht, leistet seinen nicht minder geschätzten Beitrag durch Hilfe bei der musikalischen Untermalung, der Herstellung von Kostümen oder benötigter technischer Unterstützung. Denn Theaterarbeit ist Teamarbeit! Und selbstverständlich ist der Höhepunkt nach sechsmonatigem Schaffensprozess eine öffentliche Aufführung vor (hoffentlich) großem Publikum.
Auf diese Weise werden das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und das Selbstbild positiv verstärkt und gefestigt, der Begriff Gemeinsamkeit geschärft und Berührungsängste abgebaut.

Interessenten, die am Projekt mitarbeiten möchten sind herzlich willkommen. Die Möglichkeiten des Sich-Einbringens sind im Grunde unbeschränkt. Das gilt – selbstverständlich nicht nur, aber nicht zuletzt – für von Demenz im niederschwelligen Bereich Betroffene sowie ihre Angehörigen und Bekannten. Die Treffen finden seit Ende Januar jeden Montag von 14.30 Uhr bis 17.00 Uhr im zentrum plus des ASB in Holthausen statt. Das Projekt wird durch den Verfügungsfonds aus dem Programm Soziale Stadt der Landeshauptstadt Düsseldorf und des Ministerium für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung gefördert. Und ein Wort zum Schluss. Bei Oscar Wilde heißt es: „Ich liebe es, Theater zu spielen. Es ist so viel realistischer als das Leben.“ In diesem Sinne …

Fortsetzung folgt

Thomas Christen

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