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Die Gastgeberin Marion Recknagel bringt im Kiosk an der Bergerkirche die Menschen miteinander ins Gespräch

Als die E-Mail in ihrem Postfach eintraf, war von einem mobilen Büdchen die Rede. Und dass Marion Recknagel im Innenhof der Bergerkirche ein Ehrenamt übernehmen könnte – genauso, wie sie es sich gewünscht hatte. Die Kirche in der Altstadt kannte sie. Aber ein Büdchen? Aus dem Ruhrgebiet, ihrer Heimat, waren ihr die vielen Buden bekannt, die es dort gibt. „Geh mal zur Bude ne Cola holen, heißt es oft“, sagt Marion Recknagel und imitiert ein wenig den Ruhrgebietsakzent, den man sonst bei der gebürtigen Oberhausenerin kaum durchhört.

Das mobile Büdchen vor der Bergerkirche betreiben Ehrenamtliche im Auftrag der Diakonie. Es besteht aus einer aufklappbaren, wohnwagengroßen Box, in der sich eine Miniküche und ein Tresen befinden. Klappen auf, und schon hat das Büdchen geöffnet. Meist ist das samstagnachmittags der Fall, manchmal auch sonntags – je nachdem, wie viele Ehrenamtliche gerade Zeit haben. „Wir sorgen dafür, dass Menschen beispielsweise beim Einkaufen in der Innenstadt eine Ruhepause einlegen können“, erzählt Marion Recknagel. Zudem öffne das Büdchen bei besonderen Veranstaltungen, die in der Bergerkirche stattfinden: bei Ausstellungseröffnungen etwa, Konzerten, Lesungen oder Gottesdiensten.

Seit gut einem Jahr ist Marion Recknagel schon dabei. Einmal im Monat hilft sie für zwei, drei Stunden aus und serviert Tee, Kaffee, Limo, Wasser und Cola. Bei Abendveranstaltungen gibt’s Sekt und Wein, in der Adventszeit wird an Samstagnachmittagen auch Glühwein angeboten und es findet ein kleiner Markt im Innenhof der Kirche statt. „Wir sind wie Gastgeber, die im Hintergrund dafür sorgen, dass sich die Gäste wohlfühlen“, erzählt die 57-Jährige. Der Kirchhof liege zwar etwas versteckt in der Altstadt. „Wir wollen aber ein Banner aufstellen, der auf das Büdchen im Innenhof hinweist.“
Ehrenamtlich aktiv zu sein, sei für sie sehr wichtig, sagt Marion Recknagel: „Es ist eine Form, Dankbarkeit zu zeigen. Durch das ehrenamtliche Engagement gibt man etwas von dem, was man hat, zurück in die Gesellschaft.“ Worin genau sich das Engagement zeige, sei zweitrangig. „Hauptsache, was tun“, sagt die Ehrenamtliche. In der Vergangenheit hat sie schon für Familien im Kindergottesdienst gekocht und war in der Seelsorge aktiv – Tätigkeiten, bei denen sie in Kontakt mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Milieus gekommen ist. „Mir ist wichtig, dass Menschen einander zuhören und ihr Gegenüber respektvoll behandeln“, sagt Marion Recknagel.

Das gilt für sie auch im Beruf: Mit ihrer Unternehmensberatung bietet sie Workshops und Coachings an, wie eine wertschätzende und respektvolle Kommunikation in Unternehmen gelingt. Hilfreich sei dazu, „selbst viele Aspekte von Leben zu kennen“ und zu wissen, dass nicht immer alles glatt laufe, sagt die selbstständige Kommunikationstrainerin. „Das erweitert den Horizont, stärkt die Empathie und vermindert Ängste.“
Auch wenn sie im Büdchen im Innenhof der Bergerkirche steht und die Gäste bedient, bekommt Marion Recknagel einen Eindruck davon, was Menschen bewegt. In der Regel seien die Gespräche aber eher flüchtig, erzählt sie. „Wir sind mehr die Ins-Gespräch-Bringer.“ Die Arbeit mache ihr auch deswegen Spaß, weil die Stimmung im Team hervorragend sei und sie Angebote mitgestalten könne. Wie zuletzt bei einem Tango-Nachmittag, der auch auf ihre Initiative hin in der Bergerkirche stattfand. „So etwas können wir gerne öfter machen!“

Thomas Becker

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