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Unermüdlich im Dienste der Menschlichkeit

Im Dezember 2017 verleiht die Diakonie Düsseldorf der 84-jährigen Elisabeth Gerchen das Kronenkreuz in Gold für über 25 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit.

Sie hat nachgerechnet. Alleine im Nachbarschaftszentrum der Diakonie in Bilk sind es über 60 Stunden in der Woche, in denen sie mit Rat und Tat zur Seite steht. Montagnachmittags steht Bürodienst auf dem Programm, das Gedeihen der Pflanzen und die angefallene Wäsche aus dem zu mietenden Verwandtenzimmer. Alle zwei Wochen Dienstags sind es gemeinsame Kartenspiele. Donnerstags das zu betreuende Café. Der Freitag gleicht dem Montag und einmal im Monat sorgt sie samstags für das leibliche Wohl beim Brunch. Aber damit nicht genug. Sie geht regelmäßig für das Frühstück mit dem Kneippverein einkaufen, handarbeitet und liest mit den Mitgliedern des Kibis-Netzwerkes, kocht Marmelade und bäckt für den Spendenbasar zweier Volksschulen. Zwei Bänke und zwei Bäume auf dem Vorhof ihrer Wohnanlage hat sie gespendet. „Ich muss immer etwas zu tun haben. Wenn ich nichts mache, langweile ich mich. Dann vereinsame ich doch“, sagt sie und man nimmt der beeindruckend rüstigen und agilen Dame jedes Wort ab. Auch wenn man sich unwillkürlich fragt, wie es einem Menschen gelingt, alle diese Tätigkeiten in einem normalen 24-Stundentag unterzubringen. Denn wenn Elisabeth Gerchen einmal nicht ehrenamtlich unterwegs ist, sitzt sie nicht still in ihrer Wohnung. Jeden Morgen und jeden Abend geht sie walken, dreimal in der Woche führt der Weg in ein Fitnessstudio und eine Sauna, sie singt im Chor der Bürgerstiftung, geht gerne in Orgelkonzerte und liest in der Stadtbücherei regelmäßig die Zeitung. Und sie besucht einen Tai Chi- und einen Chigongkurs. Selbstverständlich wird jeder Weg mit dem Fahrrad zurückgelegt. Vor kurzem hat sie sich zur Akkupunktur angemeldet. Für mehr Lebensenergie, wie sie sagt und wenn man vor ihr sitzt und das alles hört, fällt einem nur ein Wort ein: Unglaublich!

Geboren wurde Elisabeth Gerchen in Eller, in der Weinheimer Straße. 1955 zog sie der Liebe wegen nach Hamburg. Ihr Mann fuhr zur See und so war sie – man kann es sich denken – oft alleine. Sie erinnert sich noch gut an ihren ersten Samariterdienst. „Diese Frau saß immer weinend in der Kirche“, erzählt sie, „Frau Butterbrot! Ich weiß es noch genau. Niemand, der sich um sie kümmerte.“ Das übernahm dann Elisabeth Gerchen. Zehn Jahre später überredete sie ihren Mann zum Umzug nach Düsseldorf, wo dieser eine Anstellung bei Henkel fand. Sie übernahm einen kirchlichen Besuchsdienst und eine Arbeit im Café des Elisabethheims in dem auch ihre an Demenz erkrankte Mutter lebte.

„Ich mache alles Mögliche, nur keine Hospizarbeit. Dafür bin ich zu sensibel“, gesteht sie. Von den vielen Freunden, die ihr das Ehrenamt in den Jahrzehnten beschert hat, leben nicht mehr viele und das bedauert sie sehr. „Ich bin nicht gerne alleine“, sagt sie. Also setzt sie sich ab und zu hinunter ins Nachbarschaftszentrum, so, dass sie die Menschen draußen sehen kann, ohne sofort selber erkannt zu werden. Eine Eigenart von fast symbolischer Kraft für ein Ehrenamt überhaupt. Und es dauert ja auch nicht lange, bis die nächste Aufgabe wieder ruft …

Thomas Christen

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