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Das Glück

Es sitzt sich weich auf unserm Sofa. Gemütlichkeit im ganzen Haus.
Geschmackvoll wählten wir die Bilder zur Farbe der Gardinen aus.
Wir schließen nachts die Jalousien, hab’n neue Schlösser in der Tür.
Das Glück soll sich doch sicher fühlen als Dauermieter, dachten wir.

Da hat’s das Bündel schon geschnürt.
Ich glaub‘, es wohnt nicht gern möbliert und scheint die Sicherheit zu meiden.
Versprechen, die vergisst es prompt, und dass es niemals pünktlich kommt,
kann ich nicht leiden.

Ich hab‘ es tief als Kind geatmet im Kirschbaum zur Blütenzeit.
Da warf’s mir seine Glückshaut über grad wie ein Sternentalerkleid.
Ich traf es unter jungen Leuten, wir feierten bei Kerzenschein.
Es war spontan, verrückt, bescheiden und machte aus dem Wasser Wein.

Dann ging es fort und kam nicht mehr.
Ich hechelte ihm hinterher.
Doch ich war nie sehr gut im Rennen.
Einmal kam’s ungeheuer groß,
es trug ein Baby auf’m Schoß.
Da schossen uns vor Glück die Tränen.

Ich fand es mal beim Muschelsuchen. Da gab’s mir sein Geheimnis preis:
Du rennst mir nach, willst mich erzwingen. Halt inne, schau und sei ganz leis.
Dann wirst du staunend mich entdecken. Dann hörst du meinen Glückgesang.
Und ich kann dir aus vielen Blicken entgegenschau’n dein Leben lang.

Ich bin im Brotgeruch versteckt,
und wenn dich deine Liebste neckt
im Dunkeln, dann hörst du mich lachen.
Ich warte auf dich jetzt und hier,
und wenn du singst, bin ich bei dir,
dich froh zu machen!

Gerhard Schöne
aus: Der andere Advent 2017/18, Hrsg. Andere Zeiten e.V.

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