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Die 24-Jährige Morgana Voss will die Welt ein bisschen besser machen

Morgana Voss gehört zu den Menschen, die ihr Gegenüber sofort anstecken, mit ihrer guten Laune und ihrer Kraft, die Dinge anzupacken. Still sitzen kann die 24-Jährige schlecht. Gibt es doch so viel, was es anzugehen gilt, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Dass die quirlige 24-Jährige die Geduld aufgebracht hat, aus etlichen Puzzleteilen die riesige Weltkarte zusammenzusetzen, die jetzt in ihrer Wohnung an der Wand hängt, ist deshalb erst einmal schwer zu glauben. Darauf angesprochen nickt die 24-Jährige nachdenklich, als wolle sie sich die Frage erst einmal durch den Kopf gehen lassen. „Ach was“, sagt sie dann und grinst breit. „Das ist für mich wie eine Therapie. Da komme ich zur Ruhe.“

Außerdem erinnere sie das Puzzeln an ihre Kindheit. „Meine Großmutter, meine Mutter und ich – wir haben früher immer zusammen gepuzzelt.“ Heute sieht Morgana ihre Familie nur noch selten, denn die lebt mehr als 10.000 Kilometer weit entfernt. Den Ort, aus dem sie stammt, hat Morgana Voss mit einer Stecknadel auf ihrer Weltkarte markiert: Florianopolis – Santa Catarina, eine Stadt im südlichsten Zipfel Brasiliens. Dort hat die heute 24-Jährige Germanistik studiert, bis sie plötzlich das Reisefieber packte. Lange zögerte Morgana Voss damals nicht. „Zwei Wochen später saß ich im Flugzeug nach Deutschland.“

In Deutschland bewarb sich Morgana Voss für ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Bahnhofsmission in Düsseldorf – und bekam die Stelle, auf die sie im Internet gestoßen war. Im Rückblick scheint Voss die Entscheidung, die Germanistik gegen die Sozialarbeit zu tauschen, nur folgerichtig, liegt das Helfen doch in der Familie. Ihr Vater, ein Unternehmer, und ihre Mutter, die Hochzeiten plant, engagieren sich ebenfalls sozial. „Mein Vater hat zum Beispiel Konzerte in Entzugskliniken gegeben“, berichtet Voss. „Und als Kinder waren ich und meine Schwester oft dabei.“

In der Bahnhofsmission macht Voss ihre Arbeit so gut, dass sie schon bald auch Menschen beraten kann, die mit schweren Problemen zu ihr kommen, etwa weil sie auf der Straße leben und psychisch krank sind und deshalb große Ängste haben. Besonders großen Spaß macht ihr aber bis heute die Arbeit in der Kinderlounge der Bahnhofsmission. In der Kinderlounge können Familien Zeit verbringen, wenn sie zum Beispiel ihren Anschlusszug verpasst haben oder der Zug Verspätung hat. Häufig bleiben die Kinder gerade einmal eine halbe Stunde. „In der Kinderlounge herrscht ein ständiges Kommen und Gehen“, sagt Voss. Doch das mache ihr nichts. Schließlich bleibe ihr immer noch genug Zeit, den Kindern etwas vorzulesen, einen Plausch mit den Eltern zu halten oder junge Mütter mit Feuchttüchern und Windeln zu versorgen.

Das Jahr in der Bahnhofsmission und die Arbeit in der Kinderlounge haben der 24-Jährigen so gut gefallen, dass sie die Arbeit jetzt zum Beruf machen will. Seit vergangenem Sommer macht sie eine Ausbildung zur Erzieherin. Für die Ausbildung lernt sie meist in ihrem Apartment in Düsseldorf, in das gerade einmal ein Kleiderschrank, ein Schlafsofa und ein kleiner quadratischer Tisch passen. Die Fenster liegen zum Innenhof und lassen nur wenig Licht herein. Für die 24-Jährige, die aus der Sonne kommt, ist das etwas gewöhnungsbedürftig. „Natürlich wünsche ich mir manchmal, viel Geld zu verdienen und in einer großen Wohnung zu leben“, sagt sie. „Aber noch viel wichtiger ist es mir, in meinem Leben etwas Sinnvolles zu machen.“ Deshalb arbeitet Morgana Voss auch weiterhin in der Kinderlounge – ehrenamtlich und am Wochenende. „Da gehört mein Herz hin“, erklärt Morgana Voss bestimmt – und wie sie das sagt, klingt es kein bisschen pathetisch.

Anne Wolf

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