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An seinem Geburtstag sollte niemand alleine sein

Joanna Haselwood ist Engländerin und vor 40 Jahren nach Deutschland gekommen. Eigentlich wollte sie hier nur ein halbes Jahr verbringen, um Deutsch zu lernen. „Aber dann bin ich halt hier geblieben“. Heute ist Düsseldorf die Stadt in der sie sich zu Hause fühlt und so kümmert sie sich auch um ihre Nachbarschaft. In der evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Mitte sorgt sie dafür, dass niemand an seinem Geburtstag alleine ist. Ihr Team, das insgesamt aus 6 Leuten besteht, besucht jeden in der Nachbarschaft über 75 Jahre an seinem ganz persönlichen „Tag mit Goldrand“. So nannte eine nette ältere Dame – in einem sehr zu empfehlenden gleichnamigen Film – ganz besondere Tage im Leben. Solche Tage, die eben einen Goldrand tragen.

Wenn jemand Hilfe braucht, kann Joanna einfach nicht wegsehen

Bei Joanna in der Nachbarschaft stellt sich jeder seinen Geburtstag anders vor. Die einen hätten lieber nur eine Karte im Briefkasten, andere sagen ein paar nette Worte an der Tür und wieder andere, und davon sind es auch die meisten, warten schon mit Kaffee und Kuchen auf Joanna. Sie spielt eine ganz besondere Rolle in ihrem Viertel, die weit über den Geburtstagsdienst hinausgeht. Wenn jemand Hilfe braucht, kann Joanna einfach nicht wegsehen. Gelegentlich hilft sie einer älteren Dame beim Einkauf, stellt Drucker, WLAN und Handys neu ein oder wechselt auch mal eine Glühbirne, wenn es nötig ist. So viel Hilfsbereitschaft bewundere ich sehr und ich frage mich insgeheim, wie sie das alles unter einen Hut bekommt. Joanna arbeitet 3 mal die Woche vormittags und verteilt, neben der Nachbarschaftshilfe und dem Geburtstagsdienst, auch den Gemeindebrief in ihrem Viertel.

Angefangen hat übrigens alles mit der Tier-Tafel und einem ehrenamtlichen Projekt, in dem sie und ein kleines Team sich um Hunde und Katzen kümmerten, dessen Besitzer krank wurden und/oder ins Krankenhaus mussten. Während dieser Zeit entstand eine besondere Beziehung zu einer Frau, die nur sehr wenig Geld zum Leben übrighatte. Joanna konnte das nicht mit ansehen und kümmerte sich um eine Grundsicherung, telefonierte mit unzähligen Behörden und erwirkte letztendlich sogar eine Pflegestufe für sie. Wie das ohne Joanna ausgegangen wäre, will ich mir gar nicht vorstellen.

Statt Kommissar Rex ist hier Kommissar Max am Werk

Wenn Joanna sich nicht gerade um ihre Nachbarschaft kümmert, geht sie gerne wandern mit ihrem Wanderverein und Hund Max. Ach ja, warum war der denn überhaupt ein Spürhund? Max kann mit seiner super Spürnase eine Person im Wald finden, wenn er vorher an einem Tuch gerochen hat, das nach dieser Person riecht. Ich finde, das hat schon etwas von Kommissar Rex. Sozusagen Kommissar Max. Ich bin froh Joanna und Max kennengelernt zu haben. Eine unglaublich fröhliche, lustige und neugierige Frau, die man mit ihrem unverwechselbaren britischen Akzent einfach nur gernhaben muss. Meistens lebt man in einer Großstadt wie Düsseldorf aneinander vorbei, aber es ist schön zu sehen, wie diese Nachbarschaft um Joanna auf einander achtet und einander hilft. Mir persönlich ist wieder einmal bewusst geworden, was man mit Hilfsbereitschaft alles erreichen kann.

Möchten Sie uns kennenlernen? Hier finden Sie mehr über MachMit in Düsseldorf.

 

Autorin: Kristin Riechert

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